Michel, Paul: Musik und Hörer in der Gegenwart. Psychologische Grundlagen und Probleme. - In: Weimarer Beiträge. 19 (1973) 5, S. 60-78.
Ausgangs- und Zielpunkt ist die Beantwortung der Frage nach den Ursachen der gegenwärtigen Widersprüche zwischen Musikhörer und zeitgenössischem Musikschaffen. Das musikalische Hören wird als Produkt der gesellschaftlichen Entwicklung und der durch sie bewirkten Entwicklung der Musikkultur gekennzeichnet; es weist die gleichen historischen Veränderungen wie das musikalische Schaffen auf, beide sind in ihren Wandlungen dialektisch miteinander verwoben. Der Hörvorgang wird durch spezifische, in den jeweiligen Entwicklungsetappen der Musikkultur herausgebildete Integrationsmechanismen (musikalische Beziehungszusammenhänge) verwirklicht, wobei es in Perioden heftiger musikalischer Umschwünge zu Konflikten zwischen den an der bisherigen Musik herausgebildeten Hörerfahrungen (Hörgewohnheiten und -idealen), den sich darauf gründenden Hörerwartungen und neuen musikalischen Ordnungsprinzipien kommt. Die sich aus diesem Sachverhalt ergebenden Forderungen an die Komponisten und an die Hörerziehung im Musikleben und in der Schule, insbesondere hinsichtlich der gleichzeitigen Erziehung zur Musik des Erbes und der Gegenwart vom Kleinkindalter an aufwärts, werden abschließend näher bestimmt. (Ein auszugsweiser Abdruck erfolgte auch in: Hudebni Rozhiedy, 25. Jg., Heft 12, Prag 1972, S. 567-570.)
Personen
- Paul Michel Autor*in