Michel, Paul: Empirische Untersuchungen über die emotionale Wirkung von Musik verschiedener Epochen auf Kinder und Jugendliche. - Forschungsauftrag, Franz-Liszt-Hochschule Weimar. Beginn: 1966; Abschluß: 1969.
Ziel: Psychologische Fundierung der Systematik und der Methoden des Musikhörens. Entwicklungspsychologischer Beitrag zur Spezifik der Musik. Methoden: Schriftliche Befragung mit Hilfe eines "Adjektivzirkels". Ergebnisse: (1) Hinsichtlich der Hörsystematik: Bei entsprechender Hörpraxis entwickeln sich die Hör- und Erlebnisfähigkeiten für die Musik des Erbes und des Gegenwartsschaffens nicht im zeitlichen Nacheinander - etwa den historischen Entwicklungslinien der Musikkultur gemäß -, sondern im wechselseitigen Miteinander vom Kleinkindalter an aufwärts. Durch eine vom Kleinkindalter an aufwärts parallel verlaufende und sich gegenseitig durchdringende Bildung vielfältig strukturierter Hörmodelle - bei elementaren Grundtypen beginnend und mit ihren Erweiterungen fortsetzend - kann und muß die Hör- und Erlebnisfähigkeit für das progressive Musikkontinuum, zumindest vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, in einem Fluß eröffnet werden. (2) Hinsichtlich der Anforderungskriterien an eine sozialistisch-realistische Musik der Gegenwart: a) Die Skala der emotionalen Wirkung ist in Vielfalt und Tiefe (quantitativ und qualitativ/ proportional den inhaltlich und formal-technisch eindeutig in einer Komposition angestrebten Darstellungsabsichten sozialistischer Gefühls und Erlebniswelt, b) Zielt die ideeliche Konzeption eines Musikwerkes mit ihr adäquaten Mitteln auf die Bestätigung der im sozialistischen Menschen ausgeprägten Vielfalt emotionaler Erlebnisse und auf die behutsame Erweiterung der bisher gefestigten Hörerfahrungen ab, so wird das Werk mehr oder weniger emotional tiefgreifend rezipiert, c) Bei zunehmender Verunklarung der ideelich-humanistischen Grundkonzeption und bei Nichtbeachtung der bisherigen Hörerfahrungen wird der Grad des auditiven und emotionalgeistigen Mitvollzuges anwachsend erschwert, was schließlich zu emotionalen Barrieren und so zur Ablehnung führt.
Personen
- Paul Michel Autor*in