Rienäcker, Gerd: Gedanken zum Verhältnis musiktheoretischer Lehrsysteme zur musikgeschichtlichen Entwicklung. - in: Beiträge zur Musikwissenschaft, Jg. 9. 1967, H. 2, S. 128-133.
Zwei Tendenzen, die die Wirksamkeit der Musiklehre bis heute beeinträchtigen,- sind einerseits das dogmatische Ausgehen von jeweils einseitig verabsolutierten, weil aus dem dialektischen Zusammenhang herausgenommenen und als a priori erklärten akustischen, psychologischen und anderen Gesetzmäßigkeiten, andererseits der immer wieder unternommene Versuch, ein ebenfalls allgemeingültiges, angeblich von der Natur begründetes System zu finden, mittels dessen musikalische Syntax bzw. deren einzelne Dimensionen ungeachtet jedweder historischen Entwicklung zu bewältigen seien (vgl. die verschiedensten Versuche beispielsweise einer "Harmonologik"). Am Rande sei vermerkt, daß der Gegenstand der Musiklehre, nämlich Harmonik, Melodik u.a. keineswegs die Bedeutung einer konkreten musikalischen Partikel, sondern vielmehr die Bedeutung einer beliebigen Dimension einer in sich komplexen und unteilbaren Struktur hat, jede Dimensionsanalyse folgerichtig auf eigene Geschlossenheit verzichten muß da jeder zu analysierende Faktor nicht aufgrund einer Dimension, sondern deren dialektischen Wechselverhältnissen verständlich wird. Möge allein das konkrete Musikwerk als gesellschaftlich-historisch Determiniertes, Gegenstand und Ausgangspunkt der Musiklehre sein.
Personen
- Gerd Rienäcker Autor*in