Bericht 1975

Eintrag 322

BERICHT über die musikwissenschaftlichen Arbeiten in der Deutschen Demokratischen Republik

Zum Bericht 1975

Stockmann, Erich: Trommeln und Pfeifen im deutschen Bauernkrieg. - In: der arm man 1525: volkskundliche Studien. - Berlin: Akademie-Verlag, 1975. - S. 288-308. -(Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte; Bd. 59)

Trommel und Querpfeife entwickelten sich im Laufe des 15. Jahrhunderts zu Militärinstrumenten und dienten in den Heeren der Feudalmächte vor allem als Signalinstrumente für die Landsknechte, die sie als Symbole ihres kriegerischen Handwerks und ihres Standes betrachteten. Der Gebrauch der Instrumente wurde, da sie ein wichtiges Informationsmittel darstellten, von den feudalen Kriegsherren streng kontrolliert. Auf Grund einer Analyse zeitgenössischer Quellen (Chroniken, Verhör Protokollen, Gnadengesuchen, Ikonographien, Liedern, musiktheoretischen Werken etc.) läßt sich nachweisen, daß es den aufständischen Bauern und Städtebürgern im deutschen Bauernkrieg gelang, sich Trommeln und Pfeifen zu verschaffen, bzw. Trommler und Pfeifer auf ihre Seite zu ziehen und sie zur Unterstützung ihrer Kampfaktionen gegen die weltlichen und geistlichen Feudalmächte wirksam einzusetzen. Auf diese Weise wurde das durch vielerlei Maßnahmen geschützte Privileg der Feudalklasse, Trommeln und Pfeifen allein für ihre Zwecke und in ihrem Interesse zu benutzen, von der revolutionären Bauernschaft durchbrochen. Durch ihre Umfunktionierung, im Sinne der Interessen der Bauern, entwickelten sich die Instrumente, besonders die Trommel, zu Symbolen des AufStandes gegen Gewalt und Unterdrückung.

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