Bericht 1975

Eintrag 146

BERICHT über die musikwissenschaftlichen Arbeiten in der Deutschen Demokratischen Republik

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Zum Bericht 1975

Kluge, Reiner: Was kann die Kybernetik der Musikwissenschaft helfen? - In: Report of the 11th Congress Copenhagen 1972/ [Internat. Ges. f. Musikwiss.] - Copenhagen: W. Hansen /u. a./ - Vol. 2. - 1974. - S. 486-495.

Die Kybernetik stellt leistungsfähige Begriffe, allgemeine Modellvorstellungen und methodische Prinzipien bereit, die der Musikwissenschaft Denkanregungen und neue Fragestellungen vermitteln können. Beispiele: 1. Ein Musikinstrument (Blasinstrument, Streichinstrument) kann als offenes, durch seine Umgebung (Spieler) gesteuertes System aus mehreren Teilsystemen aufgefaßt werden. Entscheidend für das Zustandekommen des Tones ist die Rückkoppelung zwischen Generator-und Resonatorsystem, überblasen und Flageolett sind Erscheinungen von Ultrastabilität. 2. Die inneren Bezirke des musikalischen Gehörs werden hypothetisch als System mit innerem Modell (Steinbuch) von der musikalischen Umwelt aufgefaßt. Ein anderes Teilsystem reproduziert mit Hilfe des inneren Modells Vergleichssituationen, realisiert Ähnlichkeitsbestimmungen, ermittelt die maximal ähnliche Vergleichssituation und interpretiert damit die Reize. 3. Im Falle der Musikerzeugung ist das innere Modell eine musikalische Grammatik. 4. Es wird angenommen, daß gemeinschaftlich verfügbare musikalische Informationen (Musikstücke, Stile) auf soziale Systeme homöostatische Wirkung ausüben (im Sinne von Wiener). - Durch Modellierung musikalischer Systeme auf Rechenautomaten verschafft die Kybernetik der Musikwissenschaft Experimentierfelder. Durch jede kybernetische Modellierung wird Allgemeines, Wesentliches des modellierten Realitätsbereiches herausgehoben. Damit wird die Theoriebildung in der Musikwissenschaft angeregt.

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