Bericht 1974

Eintrag F 139

BERICHT über die musikwissenschaftlichen Arbeiten in der Deutschen Demokratischen Republik

Diss. A
Zum Bericht 1974

Schön, Eva-Maria: Darstellung der Charaktere in L. Janáčeks Opern. - Halle, Diss. A, Beginn: 1971; Abschluß: 1975.

Janáčeks Rezeption musikalischer Zeiterscheinungen gibt Aufschluß über seine antitraditionelle Haltung, musikdramatische Postulate und theoretische Ansichten über dramatische Charaktere. Stilistische Parallelen zu Puccini, Debussy, Strawinsky und Schönberg werden herausgearbeitet. Als wesentliche Aspekte der librettistischen Arbeit Janáčeks werden funktionale Motivationen, Verhaltensmotive, Charakterbeziehungen und dramatische Konstellationen als Prämissen musikalischer Realisation aufgelegt. Aus der Untersuchung des Verhältnisses von Frauen- und Männercharakterisierung ergeben sich Modellkombinationen, die, verbunden mit einer durchgängigen Stimmlagencharakterisierung, ein aufschlußreiches Bezugssystem der Charakteranalyse bieten. Aus dem situationsbedingten Intonationsfond der Sprachmelodik und dem nationalen und stilistisch geprägten Strukturmaterial ergeben sich semantische Klassifikationsmodelle, die eine in bestimmten Grenzen mögliche Charakterologie festlegen. Monothematik und Variationsprinzip unterliegen ebenso dem Bestreben einer dynamischen Charakterzeichnung wie das variable Verhältnis von musikalischen Eigenverläufen und dem dramatischen Charakter und wie die semantische Zielstellung der thematischen Arbeit. Die Charakterdarstellung Janáčeks wird als Antizipation eines realen Humanismus bezeichnet. Soziale Determinanten der Charaktere, das Verhältnis von Charakter und Weltanschauung, von Irationalität und Rationalität sowie die natürliche Bedingtheit der Charaktere Janáčeks implizieren diese These.

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