Bericht 1973

Eintrag 213

BERICHT über die musikwissenschaftlichen Arbeiten in der Deutschen Demokratischen Republik

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Mayer, Günter: Gesellschaftlicher und musikalischer Fortschritt. Zu Hanns Eislers Konzeption einer "Dialektik der Musik". - In: Beiträge zur Musikwissenschaft. 15 (1973), S. 3-28.

Siehe auch: Mayer, Günter: Die Kategorie des musikalischen Materials in den ästhetischen Anschauungen Hanns Eislers. Zur Entwicklung der Theorie und Geschichte des sozialistischen Realismus im Bereich der marxistischen Musikästhetik. - Berlin, Phil. Diss. 1969. Gegenüber vulgärmaterialistischen Ableitungen musikalischer Prozesse aus den sozialökonomischen Bedingungen vertritt Eisler eine dialektische Auffassung, nach der zwischen den musikalischen und den gesellschaftlichen Entwicklungswidersprüchen eine allgemeine Wechselwirkung besteht, in der die ökonomische Bewegung nur in letzter Instanz bestimmend ist, also zwischen ökonomischen und politischen, politischen und weltanschaulichen, ideologischen und ästhetischen Aspekten des Fortschritts zu unterscheiden ist. Die Differenzierung zwischen dem Subjektiv-Künstlerischen und dem Handwerklich-Technischen wird fruchtbar in der Auffassung von der relativen Eigenbewegung in der Entwicklung des musikalischen Materials. Eisler unterscheidet zwei Grundtypen der Materialentwicklung: a) musikalisch-technische Neuerungen durch Veränderungen der Inhalte und Funktionen der Musik beim allmählichen Übergang von einer Gesellschaftsformation zur nächsthöheren, b) musikalisch-technische Neuerungen ohne wesentliche Veränderungen der Grundgehalte und -funktionen innerhalb einer Gesellschaftsformation, ihrer ökonomischen und weltanschaulichen Krise (Linie Wagner-Strauss-Schönberg). Beide Typen werden unter dem Gesichtspunkt einer Dialektik von Fortschritt und Zurücknahme begriffen: Um ein Element der Musik zu entwickeln, müssen andere zurücktreten. Eislers widerspruchsvolle Aufgabe und Leistung, nach der "Materialrevolution" Gehalt und Funktion der Musik revolutionär zu verändern, leichte Faßlichkeit zu erreichen, ohne die historisch erreichten musikalisch-technischen Neuerungen preiszugeben, d. h, den politischen und den musikalischen Fortschritt zur gültigen Synthese zu bringen - dieser Prozeß wird an seinen ersten drei Schaffensperioden, seinen entsprechenden theoretischen Äußerungen abgehandelt, besonders an seinen mit E. Bloch geschriebenen Beiträgen zur sogenannten "Expressionismus-Debatte".

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