Schön, Eva-Maria: Darstellung der Charaktere in L. Janačeks Opern. - Halle, Phil. Diss., Beginn: 1971; Abschluß: 1973.
Janačeks Rezeption musikalischer Zeiterscheinungen gibt Aufschluß über seine antitraditionelle Haltung, musikdramatische Postulate und theoretische Ansichten über dramatische Charaktere, Stilistische Parallelen zu Puccini, Debussy, Strawinski und Schönberg werden herausgearbeitet. Als wesentliche Aspekte der librettistischen Arbeit Janačeks werden funktionale Motivationen, Verhaltensmotive, Charakterbeziehungen und dramatische Konstellationen als Prämissen musikalischer Realisation aufgezeigt. Aus der Untersuchung des Verhältnisses von Frauen- und Männercharakterisierung ergeben sich Modellkombinationen, die, verbunden mit einer durchgängigen Stimmlagencharakterisierung, ein aufschlußreiches Bezugssystem der Charakteranalyse bieten. Aus dem situationsbedingten Intonationsfond der Sprachmelodik und dem nationalen und stilistisch geprägten Strukturmaterial ergeben sich semantische Klassifikationsmodelle, die eine in bestimmten Grenzenmögliche Charakterologie festlegen. Monothematik und Variationsprinzip unterliegen ebenso dem Bestreben einer dynamischen CharakterZeichnung wie das variable Verhältnis von musikalischen Eigenverläufen und dem dramatischen Charakter und wie die semantische Zielstellung der thematischen Arbeit, Die Charakterdarstellung Janačeks wird als Antizipation eines realen Humanismus bezeichnet. Soziale Determinanten der Charaktere, das Verhältnis von Charakter und Weltanschauung, von Irrationalität und Rationalität sowie die natürliche Bedingtheit der Charaktere Janačeks implizieren diese These.
Personen
- Eva-Maria Schön Autor*in