Ottenberg, Hans-Günter: Die Entwicklung des theoretisch-ästhetischen Denkens innerhalb der Berliner Musikkultur von den Anfängen der Aufklärung bis Reichardt. - Berlin, Phil. Diss., Beginn: 1969; Abschluß: 1973.
Die Entwicklung des theoretisch-ästhetischen Denkens innerhalb der Berliner Musikkultur vollzieht sich in drei Phasen, deren zeitlichen Zäsuren bei 1750, 1770 und 1780/90 liegen. Die musikästhetischen Anschauungen der ersten Phase sind der unter dem Einfluß des philosophischen Rationalismus stehenden musikalischen Affektenlehre verpflichtet. Sie zeigen sich vornehmlich durch zwei Bereiche beeinflußt: der älteren deutschen Affektenlehre (Kuhnau, Mattheson) und der französischen Nachahmungsästhetik (Batteux). Die Theoretiker können zwar den musikalischen Affekt in seiner "wesentlichen wirklichen Ähnlichkeit" (Krause) mit dem außermusikalischen Affekt erklären, vermögen es aber nicht, den musikalischen Schaffensprozeß als individuell schöpferische Aneignung der Wirklichkeit hinreichend zu begreifen. Die Kunsttheorie der zweiten Phase bezieht das Inhaltliche der Musik insbesondere auf den Aspekt des künstlerisch Schöpferischen, Die bisweilen durch schablonenhafte Anwendung normierter Affektmodelle hervorgerufene Unverbindlichkeit in der Musik der 50er Jahre wird als Symptom rationalistisch wirkender Kunstgesetze gewertet und abgelehnt. Die weitere Entwicklung ist durch das gleichzeitige Nebeneinanderlaufen verschiedener Strömungen gekennzeichnet: a) Marpurgs und Kirnbergers ästhetische Anschauungen, b) die ästhetischen Konzeptionen Schulz', Reichardts und Zelters, c) die "Linie" Wackenroder-Hoffmann-L. Rellstab.
Personen
- Hans-Günter Ottenberg Autor*in