Kaden, Christian: Musikalische Syntax und sozialhistorische Praxis in der arbeitsfunktionalen Signalgebung der Viehhirten. - Berlin, Phil. Diss., Beginn: 1970: Abschluß: 1973.
Die Regelung des weidewirtschaftlichen Arbeitsablaufes durch musikalische Signalgebung ist in der deutschen Volksmusik historisch von großer Bedeutung und hat sich in einigen Mittelgebirgslandschaften der DDR (Thüringen, Harz) bis zur Gegenwart erhalten. Auf der Grundlage von Feldforschungen in diesen Gebieten wird die soziale Funktion der Hirtensignale wie ihre syntaktische Struktur systematisch dargestellt. Aus der Spezifik der Funktionen, dem Charakter der kommunikativen sozialen Einheiten und den technischen Voraussetzungen für die Kommunikation lassen sich Faktoren ableiten, die die Struktur der Signale dialektisch determinieren. So ist u.a. die relativ variable Aneinanderreihung kurzer syntaktischer Einheiten auf die Notwendigkeit überdeterminativer Nachrichtenübermittlung zurückzuführen, die gleichzeitig eine zeitökonomische Abkürzung des Übertragungsprozesses ermöglicht. In die Strukturierung der Signale fließen zudem Anforderungen an deren ästhetische Gestaltung ein, die u. a. eine vielfältige Ausprägung reproduzierbarer memorialer Modelle stimulieren und übergreifende syntaktische Zusammenhänge herstellen.
Personen
- Christian Kaden Autor*in