Bericht 1972

Eintrag 62

BERICHT über die musikwissenschaftlichen Arbeiten in der Deutschen Demokratischen Republik

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Zum Bericht 1972

Goldschmidt, Harry: Der späte Beethoven - Versuch einer Standortbestimmung. - In: Bericht über den Internationalen Beethoven-Kongreß 10.-12. Dezember 1970 in Berlin. - Berlin: Verlag Neue Musik 1971. S. 41-58.

Der Aufarbeitung des späten Beethoven unter marxistischen Gesichtspunkten kommt insofern besonders aktuelle Bedeutung zu, als die spätbürgerliche Beethovenrezeption das Spätwerk in Anspruch nimmt, um es besonders gegen das mittlere "heroische” auszuspielen. An Adornos Beethoven-Exegese wird deutlich, daß die Positionen des späten Beethoven dazu dienen sollen, den mittleren abzuwerten. Die Hypothese, wonach der späte Beethoven des heroischen Stiles müde geworden ist, weil er den Klassizismus der Klassik durchschaut habe, ignoriert das intakte Citoyenbewußtsein des späten Beethoven (Neuntel). Die Abkehr vom "falschen Zeitgeist" (lies: Restauration) bedeutet nicht die Preisgabe der "moralischen" Positionen des früheren und mittleren Beethoven, vielmehr ihre Bewahrung unter gesellschaftlich und auch persönlich immens erschwerten Bedingungen. Die Affirmation der heroischen Periode setzt sich dialektisch in der Kontestation der unheroischen Restauration fort. Die Ode an die Freude, für Beethoven Devisenstoff seit seiner Jugend, läßt sich bis in die letzten Quartette nachweisen.

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