Rudolph, Johanna: Händeltradition im Blickfeld der Arbeiterklasse. Zum 25. Jahrestag der Gründung der SED. - In: Händelfestspiele. - 20. Händelfestspiele Halle (Saale) 1971 (Festheft). - Halle 1971. S. 22-32.
In der DDR gehört das gesamte künstlerische Erbe der Vergangenheit zu den Wurzeln der sich entwickelnden sozialistischen Nationalkultur und der progressiven Weltkultur. Die Händeltradition der DDR ist fest mit den Traditionen der revolutionären Arbeiterbewegung verbunden. 1926 fand in Leipzig das 1. Arbeiter-Händelfest statt. Die Zeitschrift "Kulturwiile" brachte dazu Beiträge, in denen Probleme wie die Stellung des Arbeiters zum Musikgenuß, proletarische Musikkultur, Händels Einfluß auf Haydn, Mozart. Beethoven und Händels "kulturgeschichtliche Bedeutung" behandelt wurden. Die- Traditionsbezüge von Marx und Engels zu Händel wurden erst im Verlauf der Jahrzehnte der Arbeiterbewegung erkannt. Marx fand Händels Musik "ausgesprochen revolutionär". Von der marxistischen Musikwissenschaft und Presse wurde und wird die klerikale und chauvinistische Händelverfälschung widerlegt. In der DDR, unter historisch neuen Aspekten, erfolgte die lebendige Erneuerung: die wirkliche Händelrenaissance, die sich ein neues Publikum schuf. Die Händeloper wurde zur Repertoireoper, Händels Rolle als Aufklärer wurde ausgearbeitet. Es sind vornehmlich Händels Oratorien, in denen sich der revolutionäre Charakter seiner Musik ausdrückte. Händels Zeitgenossen bezeichneten seine Kunst als Waffe; seine Musik sei mit der Vernunft im Bunde. Goethes Begriff der Antizipation ist auf Händels Werk voll anwendbar.
Personen
- Johanna Rudolph Autor*in