Hesse, Axel: Das Tränsmissionen-Singen im kubanischen Spiritismus - Musikethnologische und soziologische Untersuchungen zur Transkulturations-Problematik im städtisch-halbproletarischen Kontaktbereich der afroiden und europäiden Gruppenkulturen Kubas. - Berlin, Phil. Diss. 1971. 538 S.
Feldarbeit, 1964/65 bei Gruppen des 'gekreuzten' und 'Cordón'-Spiritismus durchgeführt, wiesen die 'transmisiones', vorherrschend einstimmige, unbegleitete responsoriale Gesänge, als Genre in.statu nascendi aus. Die anspruchslosen Praktiken des Spiritismus dienen als Rahmen für Umfunktionierung und Integration des heterogenen Kulturerbes breiter Volksschichten. Die Charakterisierung von Geistern unterschiedlicher ethnischer und sozialer Zuordnung führt zu einem entwicklungsgeschichtlich äußerst vielschichtigen musikalischen Repertoire, Aufbauend auf adaptiertem Gesangsgut aus Populärkatholizismus (Spanien), Santeria (Yoruba) , Palo Monte (Congo), Tumba francesa (Haiti) u.a. entstehen zahlreiche Integrationsstufen afroider und europäider Traditionselemente und Gestaltungsprinzipien bis hin zu autochthon 'kreolischen' Typen. Die interdisziplinäre Untersuchung der Transmissionen im Kontext von 'Sitzung', dem ethischen Theater der Deklassierten und Besitzlosen, und dem Gesamtpanorama der vorrevolutionären Volkskulturen Kubas gestattet Einsicht in die hinter der Maske von Trance und Mystik verborgenen soziokulturellen Wertungen, Klassenwidersprüche, Bildungsideale, Tendenzen der sozialen Mobilität und der ethnischen Verschmelzung etc. In der theoretischen Verallgemeinerung zielt die Arbeit, ausgehend vom Transkulturations-Begriff bei Fernando Ortiz und. in Abgrenzung von anderen Kulturwandeltheorien (bes. Akkulturation) auf eine materialistische Dialektik kultureller Entwicklung im Austausch, zu der sie den Versuch einer Definition der musikalischen Transkulturation beisteuert.
Personen
- Axel Hesse Autor*in