Schneider, Anneliese: Robert Schumann und Heinrich Heine. Eine historisch-ästhetische Untersuchung anhand der Vertonungen mit Berücksichtigung einiger Probleme der Liedanalyse. - Berlin, Phil. Diss. 1970. 300 S.
Das ästhetische Anliegen des Komponisten in den Heine-Vertonungen wird durch Einzelanalysen herausgearbeitet und in zusammenfassenden Darstellungen in einigen Aspekten mit dem ästhetischen Anliegen des Dichters verglichen. Es werden die "Grenadier"-Ballade op. 49,1, der "Liederkreis" op. 24, der Liederzyklus "Dichterliebe" op. 48 und die vier aus dem zweiten Heine-Zyklus herausgenommenen Lieder op. 127,2 und 127,3 sowie op. 142,2 und 142,4 behandelt. In theoretischer Hinsicht werden der vorgegebene metrische Rahmen des Gedichts als Invariante, die Gedichtstruktur insgesamt unter dem Aspekt der Variabilität in gewisser Breite betrachtet. Der verbale Ablauf des Liedes wird als das vom Komponisten in spezifisch musikalischer Weise interpretierte Gedicht aufgefaßt. Zentrale Bezugs- und Vergleichsebene für Lied und Gedicht ist die Kategorie des lyrischen Ich, die in einigen spezifisch musikalischen Aspekten erläutert wird. Schumann war seinem Dichter, was die musikalische Realisierung von Einzelzügen der'Dichtung anbelangt, ein kongenialer Vertoner. In der konzeptionell verwirklichten ästhetischen Wertung hat er sich, insbesondere in der "Grenadier"-Ballade und in der "Dichterliebe”, von Heine abgegrenzt: In den "Grenadieren" in der Schlußgestaltung elegische Trauer statt der kühnen Vision, in der "Dichterliebe" letztlich Harmonisierung anstelle des Angriffs auf das Harmonieideal. Als Anhang ist eine chronologische Zusammenstellung von Schumanns Äußerungen über Heine sowie eine Übersicht zu den Heine-Vertonungen des 19. und 20. Jahrhunderts enthalten.
Personen
- Anneliese Schneider Autor*in