Mainka, Jürgen: Frühe Analysen zweier Stücke aus dem Wohltemperierten Klavier. - In: Musa-Mens-Musici. Im Gedenken an Walther Vetter. - Leipzig: VEB Dt. Verl. f. Musik 1969. S. 177-183.
Gegenstand des Beitrages sind Analysen der h-Moll—Fuge aus dem ersten Teil und des a-Moll-Präludiums aus dem zweiten Teil des Wohltemperierten Klaviers von J. S. Bach. Johann Abraham Peter Schulz hat 1773 in seiner Schrift "Die wahren Grundsätze zum Gebrauch der Harmonie" versucht, den komplizierten Harmonieapparat der Generalbaßepoche auf eine einfache Grundformel zu bringen. Seine theoretischen Grundlagen stützten sich auf Gedanken von Johann Philipp Kirnberger, der wiederum von der französischen Akkordlehre Rameaus beeinflußt ist. Die Typen des Dominantseptakkordes und des Dreiklangs bilden die "Fundamentalharmonien". Charakteristisch für die Übergangszeit von der Generalbaßlehre zur Harmonielehre des 19. Jahrhunderts, gehen die Analysen an prinzipiellen Grundlagen Bachscher Kompositionstechnik vorbei (ähnlich Hugo Riemann). Von Kirnbergers Lehrsätzen in der "Kunst des reinen Satzes" ausgehend, meinte Schulz, ein polyphones Stück könne durch die Vorstellung einfacher, harmonischer Fortschreitungen verständlich gemacht werden. Schulz' Schrift hat bei der Ausbildung eines neuen Harmoniegefühls eine wichtige Rolle gespielt (Benutzung durch Beethoven; s. Nottebohm).
Personen
- Jürgen Mainka Autor*in