Goldschmidt, Harry: Zitat oder Parodie? - In: Beiträge zur Musikwissenschaft. 12 (1970), S. 171-198.
Für Beethovens Schaffensweise typisch ist die mehrfache Zuordnung musikalischer Strukturen zu gedanklich-semantischen Komplexen. Besondere Beachtung verdient in diesem Zusammenhang das Parodieverfahren. In den Ouvertüren dominiert die Anwendung von Zitaten musikalischer Gedanken, deren Bedeutung durch die dramaturgische Funktion in zugehörigen theatralischen Vorgängen fixiert ist. Die Versetzung musikalisch-syntaktischer Strukturen"in eine andere Umgebung unter Anpassung an seine neue Funktion" wird als Adaptation bezeichnet. Sie kann sowohl innerhalb des instrumental-musikalischen Bereiches als auch zwischen instrumentaler und vokaler Sphäre erfolgen. Die Parodie, unter Neutextierung einer vorhandenen Vokalkomposition, stellt einen Sonderfall adaptativer Gestaltungsweise dar, wie dies an Beispielen aus Beethovens Werken (u.a. Leonore, Chorfantasie) belegt wird. (Christian Kaden)
Personen
- Harry Goldschmidt Autor*in