Rienäcker, Gerd: Zum Problem der Reprise - Untersuchungen zur Instrumentalmusik im ersten Jahrzehnt des. XX. Jahrhunderts in Österreich. - Diss., Berlin. Beginn: 1966; Abschluß: 1971.
Anhand einiger repräsentativer Instrumentalwerke von Mahler, Schönberg, Berg, Zemlinsky wird die Reprisenstruktur des "Sonaten-Hauptsatzes", ihre jeweilige dramaturgische Funktion und Abhängigkeit von der jeweiligen Themenstruktur untersucht. Bei Mahler hängt das Reprisenproblem mit dem. Variantenverfahren (Adorno) zusammen. Die dramaturgische Funktion der Reprise ergibt sich aus der allmählichen Auflösung des dreiteiligen durchführungszentrierten Sonatenhauptsatzschemas zugunsten des Prinzips permanent variierenden Themendialogs unter Verknüpfung von Durchführung und Reprise. Die Begründung variativer Reprise ergibt sich aus der Wandlung thematischer Setzungen vom hauptstimmenzentriernen geschlossenen Liedthema zur Gruppierung heterogener Partikel: die Themen geraten zu Introduktionsund Durchführungsstrukturen zugleich, deren Prozeßhaftigkeit innerhalb des Satzverlaufs unwiederholbar ist. Die Umstrukturierung des Satzes in eine Folge von Binnendurchführungen spiegelt indes eine allgemeine gesellschaftliche Tendenz der Zeit wider: Vereinsamung dessen, der die Gesellschaftsstruktur nicht mehr zu durchschauen vermag.
Personen
- Gerd Rienäcker Autor*in